Ihre Band im Web
So drehen Sie ein Musikvideo und lassen alle daran teilhaben
Von Andy Myers
Als Kind träumte ich davon, Filme zu drehen. Meine Eltern förderten diese Leidenschaft, indem sie mir zum zehnten Geburtstag eine billige Schwarzweiß-Videokamera mit dem Namen PXL-2000 schenkten, bei der Videos auf Kassetten aufgenommen wurden. Ich konnte es nicht erwarten, meinen ersten Streifen zu drehen, und machte mich gleich ans Werk. Aber nach dreitägigen Dreharbeiten an einem Horrorfilm, in dem mein Bruder, ein Küchenmesser und eine Flasche Schokosirup die tragenden Rollen spielten, fand mein Projekt ein jähes Ende. Sicher, es war toll, Filme anzuschauen und sogar zu drehen, aber die Aufgabe, ein analoges Band zu bearbeiten, war für einen Zehnjährigen einfach nicht zu bewältigen. Und so beendete ich traurigerweise meine Karriere als Filmemacher vorzeitig, und meine erste Videokamera verstaubte in irgendeinem Schrank.
Ungefähr zwanzig Jahre später erhielt ich ein sehr viel praktischeres Geschenk: eine digitale Videokamera (DV-Kamera).
Eine DV-Kamera
Nachdem ich zum Ausprobieren Videos von Familie und Freunden aufgenommen und das Material auf meinem PC mit Windows Vista importiert hatte, stellte ich überrascht fest, dass ich die gesamte Ausrüstung zum Bearbeiten eines Films direkt vor mir hatte, nämlich in einem mühelos zu bedienenden Feature namens Windows Movie Maker. Da wurde mir klar, dass die Zeit gekommen war, einen längst vergessenen Kindheitstraum wieder aufleben zu lassen. Jetzt konnte ich einen Film drehen! Aber diesmal ohne Küchenmesser. Ich beschloss, ein Musikvideo zu drehen.
Erst drehen, dann fragen
Das Schwierigste für einen Filmemacher ist nicht die Bearbeitung, denn das ist mit Programmen wie Movie Maker völlig unkompliziert, sondern die Beschaffung von gutem Filmmaterial. Ich wusste, dass ich für mein Musikvideo als Erstes ein gutes Motiv brauchte, und freundlicherweise stellte sich Damien Jurado, ein Sänger und Komponist aus Seattle (und ein alter Freund) zur Verfügung. Ich begleitete Damien und seine Band einen ganzen Tag lang mit meiner DV-Kamera und filmte alles, was interessant aussah. Das Schöne an digitalem Filmmaterial (im Gegensatz zu echtem Film) ist, dass man jede Menge aufnehmen kann, ohne viel zu investieren. Ich füllte mühelos ein MiniDV-Standardband mit unterschiedlichstem Material, angefangen bei Unterhaltungen bis hin zu vorbeifahrenden Autos.
Am selben Abend traten Damien und seine Band in einem Club namens Neumo’s in Seattle auf. Ich wünschte mir Livematerial als Kernstück meines Musikvideos, aber da gab es ein Problem: Wie sollte ich den Livesound in hoher Qualität aufnehmen? Also brachte ich ein Handheldgerät für die Audioaufnahme mit, einen Roland Edirol R-09 (liegt preislich bei ca. 400 Dollar). Mit diesem tragbaren Gerät kann Sound in hoher Qualität unabhängig vom Standort aufgenommen werden. Ich nahm damit den Livesound im WAV-Dateiformat auf, und zwar vollständig vom Videomaterial getrennt.
Videomaterial vom Konzert von Damien Jurado
Ich filmte das gesamte Konzert und bewegte mich dabei durch das Publikum, um Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln machen zu können. Mit jeder Menge Material und einer separaten Audioaufnahme in der Tasche packte ich meine Sachen und fuhr nach Hause. Nächste Station: Windows Movie Maker.
Von der Kamera auf den Computer
Das Importieren eines Videos von einer DV-Kamera ist unter Windows Vista ein Klacks. Ich schloss meine DV-Kamera mit einem IEEE 1394-Kabel (auch als FireWire-, i.Link- oder Lynx-Kabel bezeichnet) an einen IEEE 1394-Anschluss auf der Rückseite des Computers an.
Ein typisches IEEE 1394-Kabel zum Anschließen einer DV-Kamera an einen PC
Ich öffnete Windows Movie Maker, klickte auf das Menü Datei und klickte dann auf Importieren von digitaler Videokamera. Ich habe eine recht große Festplatte, sodass ich mich für AVI, einen Dateityp mit hoher Auflösung, entschied. Dann klickte ich auf Gesamtes Band auf den Computer importieren. Innerhalb einer Stunde war das gesamte Material vom MiniDV-Band auf dem Computer importiert und sauber in Clips angeordnet (ausgehend davon, wann ich die Kamera während der Aufnahme gestartet und gestoppt hatte).
Weitere Informationen zum Importieren finden Sie unter Importieren von Videodaten von einem Videoband und unter Problembehandlung beim Videoimport.
Alles in Einklang bringen in Windows Movie Maker
Da ich ja keine Erfahrung in der Videobearbeitung besaß, hielt ich es für das Beste, einfach ins kalte Wasser zu springen. Nachdem ich Windows Movie Maker geöffnet hatte, begann ich damit, Clips auf das Storyboard zu ziehen.
So sieht mein Musikvideo in Windows Movie Maker aus.
In Windows Movie Maker ist es verblüffend einfach, einen Clip zu verschieben, zu kopieren, seine Länge zu ändern, Effekte hinzuzufügen u. v. a. m. Viele Features erschließen sich intuitiv (eine Übersicht finden Sie unter Erste Schritte mit Windows Movie Maker), aber wie jedes andere Programm hat auch Movie Maker gewisse Nuancen. Hier einige Tipps, die ich beim Bearbeiten meines Films nützlich fand:
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Feinabstimmen von Übergängen: Die Standardansicht in Windows Movie Maker ist die Storyboardansicht. Ich wechselte zur Zeitachsenansicht, indem ich im Menü Ansicht auf Zeitachse klickte, und erweiterte dann die Videospur durch Klicken auf das Pluszeichen (+). Auf diese Weise konnte ich die Übergänge (wie Ausblenden und Ausfegen) auf der Zeitachse anzeigen und jeden Übergang genauso ändern, wie ich es auch bei einem Clip machen würde.
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Aufteilen langer Clips: Wenn ein Video- oder Soundclip zu lang ist, können Sie ihn auf mehrere Clips aufteilen. Ich klickte dazu auf die Schaltfläche Teilen in der rechten unteren Ecke des Vorschaubereichs.
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Verwenden des Mausrads: Während der Bearbeitung stellte ich fest, dass ich, wenn sich der Mauszeiger im Storyboard-/Zeitachsenbereich befand, das Mausrad verwenden konnte, um mich Frame für Frame durch den Film zu bewegen. Und das war ausgesprochen nützlich, um die genaue Stelle zu finden, an der ich einen Clip teilen oder einen Übergang einfügen wollte.
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Ein- und Ausblenden zwischen Clips: Abrupt wirkende Bearbeitungen lassen sich ganz einfach dadurch vermeiden, dass Sie mit der rechten Maustaste auf einen Video- oder Audioclip klicken und dann auf Einblenden oder Ausblenden klicken.
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Optimieren von Titeltext: Beim Hinzufügen von Überlagerungstext zu meinem Film fand ich heraus, dass ich die LEERTASTE und die EINGABETASTE drücken konnte, um zusätzliche Leerzeichen und Absatzmarken in das Textfeld einzufügen und so die Position des Texts im Video zu optimieren. Weitere Informationen zu Bildschirmtexten finden Sie unter Hinzufügen von Filmtiteln und Nachspannen in Windows Movie Maker.
Nachdem ich die grundlegende visuelle Struktur meines Films entworfen hatte, importierte ich die WAV-Datei mit der Liveaudioaufnahme durch Klicken auf die Schaltfläche Medien importieren und folgte dann den Anweisungen. Ich richtete die Musikdatei auf die Videoclips aus und achtete darauf, an den richtigen Stellen die in die Videoclips eingebetteten Audiodaten des Films stummzuschalten. (Das geht in der Zeitachsenansicht: Erweitern Sie die Videospur durch Klicken auf das Pluszeichen (+), klicken Sie dann mit der rechten Maustaste auf die eingebetteten Audioclips, und klicken Sie auf Ton aus.)
Freigeben des Films für Freunde und Familienmitglieder
Als ich mit dem Aussehen meines Films im Vorschaubildschirm von Windows Movie Maker zufrieden war, klickte ich im Menü Datei auf Film veröffentlichen und folgte dann den einfachen Anweisungen zum Veröffentlichen einer Datei. Je nachdem, wie Sie Ihren Film verteilen möchten, sollten Sie verschiedene Qualitätseinstellungen ausprobieren. Ich konzentriere mich ausschließlich auf das Web.
Das Hochladen eines Videos auf Soapbox ist ein Klacks.
Ich veröffentlichte mein Musikvideoprojekt unter dem Titel "Damien Jurado 'Coated in Ice' video" auf der MSN Soapbox-Website,
um es für Familie, Freunde und Sie, die Leser, zugänglich zu machen.
Wenn Sie das Ergebnis meines filmischen Experiments sehen möchten, können Sie sich mein Musikvideo mit Damien Jurado online auf der MSN Soapbox-Website anschauen.
Geschafft!
Nachdem ich einen Crashkurs im Umgang mit Windows Movie Maker absolviert und einen vierminütigen Film vorzuweisen habe, muss ich sagen, dass ich von der Software angenehm überrascht bin. Für ein Videobearbeitungsprogramm für Hobbyfilmemacher bietet Movie Maker einige ziemlich eindrucksvolle Funktionen, auch wenn man manchmal ein wenig suchen muss, um sie zu finden. Das wirklich Tolle an Movie Maker ist aber, dass das Programm für eine völlig neue Ära des Filmemachens steht. Jedem, der mit Windows Vista arbeitet, stehen professionelle Videobearbeitungstools zur Verfügung, die vor zwanzig Jahren der Elite vorbehalten waren. Spannend, was man machen kann, wenn man einen PC sein Eigen nennt!
Informationen zum Autor
Andy Myers ist Autor im Windows-Team bei Microsoft. Er war zuvor in der Videospielbranche tätig, wo er als Zeitschriftenjournalist arbeitete und Strategiebücher schrieb. In seiner Freizeit spielt er in verschiedenen Bands und macht Musikaufnahmen.
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